Glossar

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Willkommen bei unserem Glossar. Hier findest du eine Sammlung von Begriffen, die im Kontext von Gynformation eine Rolle spielen und die wir gern erläutern möchten. Das Glossar befindet sich im Aufbau und viele Wörter und Konzepte werden mit der Zeit noch ergänzt.

Wir haben uns bei einigen Definitionen auf bestehende Glossare gestützt, die z.T. leicht verändert wurden, und die wir in Klammern als Quellen angeben – vielen Dank! Das Glossar Femref Uni Oldenburg, kennzeichnen wir mit „femref“, das Queer Lexikon,  mit „QL“. Das Diagnostik-Glossar der Frauenärzte im Netz kennzeichnen wir mit „FiN“; es beinhaltet zahlreiche gynäkologische Krankheitsbilder und Behandlungsformen, die hier nicht alle im Einzelnen aufgeführt werden können.

A_romantisch bezeichnet eine Person, die keine romantische Anziehung verspürt und/oder kein Interesse an romantischen Beziehungen hat. Dies hängt nicht zwangsläufig mit A_sexualität zusammen. (QL)

A_sexuell bezeichnet eine Person, die keine oder wenig sexuelle Anziehung zu anderen Menschen fühlt. A_sexualität heißt nicht, dass eine Person auf Sex verzichtet (wie z. B. beim Zölibat). Zum einen, da das Zölibat eine freie Entscheidung und keine sexuelle Orientierung ist. Und zum anderen, weil asexuelle Menschen aus verschiedenen Gründen Sex haben können. A_sexualität ist ein Spektrum. Dies wird durch den Unterstrich verdeutlicht. A_sexualität hängt nicht zwangsläufig mit A_romantik zusammen. (QL)

Ableismus oder auch Behindertenfeindlichkeit beschreibt die (strukturelle) Abwertung von Personen auf Basis von Fähigkeiten. Gegenüber einer sozialen Norm werden Körper, die von dieser abweichen, diskriminiert. Bei normabweichenden neurologischen Funktionen gibt es außerdem den Begriff neurodivergent/ Neurodivergenz. Personen, deren neurologische Funktionen gesellschaftlichen Normen entsprechen, sind hingegen neurotypisch. Der Begriff Neurodiversität bezeichnet die Vielfalt menschlicher Daseinsformen aufgrund verschiedener neurologischer Funktionsweisen. (femref)

Abstriche dienen dazu, körpereigenes Untersuchungsmaterial aus der Oberfläche von Verletzungen oder Schleimhäuten (z.B. Scheide, Gebärmutterhals) zu entnehmen, um es auf Krankheitserreger oder Zellveränderungen untersuchen zu können. In weiteren Schritten kann ein solcher Abstrich dann labor-technisch untersucht werden. Gynäkologische Abstrich-Untersuchungen erfolgen in der Regel auf einem gynäkologischen Untersuchungs-Stuhl. Dieser ermöglicht dabei sowohl der*dem Ärzt*in als auch der*dem Patient*in die bestmögliche Position für die Untersuchung. Fragen und Befürchtungen bezüglich einer gynäkologischen Untersuchung sollte die*der Patient*in mit der behandelnden Person vorher besprechen. Treten während der Untersuchung Schmerzen auf, sollte die*der Patient*in darauf aufmerksam machen. In der Regel sind mit einem Abstrich keine Schmerzen und kaum Gefahren verbunden. Als Teil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms kann ein*e Gynäkolog*in bei Patient*innen ab dem 20. Geburtstag einmal im Jahr einen sog. Pap-Test vornehmen. Hierfür werden einzelne, oberflächige Zellen mit Hilfe eines Spatels vorsichtig vom Muttermund (Portio-Oberfläche) und mittels einer kleinen Bürste aus dem Gebärmutterhals (Zervikalkanal) entnommen. Anschließend wird die Probe in ein zytologisches Labor überführt, gefärbt und beurteilt, um den Abstrich auf Zellveränderungen, Krebsvorstufen oder Krebszellen zu überprüfen. (FiN)

Alleinerziehende Personen oder Personen ohne Partner*in können in gynäkologischen Behandlungen Diskriminierungen erleben, wenn die behandelnde Person zum Beispiel von einem heteronormativen, traditionellen Familienbild ausgeht.

Allgemeinärzt*innen haben wir in unser Verzeichnis eingeschlossen, da auch sie bei entsprechender Qualifizierung Schwangerschaftsabbrüche durchführen können.

Alternative Untersuchungsmethoden können die gynäkologische Untersuchung den Bedürfnissen der*des Patient*in anzupassen, z.B. durch das Angebot einer Untersuchung in der Seitenlage statt auf dem gynäkologischen Stuhl, das Angebot einer Selbstuntersuchung, das Angebot bekleidet zu bleiben, u.v.m. – je nach Diagnostik- oder Behandlungsmethode. Diese Möglichkeiten sollten zumindest erwogen werden, um bspw. Patient*innen mit Erfahrungen sexualisierter Gewalt eine möglichst erträgliche Untersuchung zu ermöglichen.

Bi-/Pansexualität bezeichnet sexuellen Orientierungen, bei denen eine Person Menschen zweier, mehrerer oder aller Geschlechter sexuell anziehend finden kann. Und zwar zu unterschiedlichen Momenten ihres Lebens, auf sexuelle oder romantische Art, in unterschiedlicher Intensität oder auf unterschiedliche Weise.

Binarität der Geschlechter bezieht sich auf das Geschlechtersystem, das nur zwei Optionen (und keine Zwischenstufen) zulässt, nämlich männlich und weiblich. Dies gilt für die gesamte Gesellschaft, z.B. die sozialen Rollen, Geschlechtsidentitäten und die körperlichen Geschlechter von Menschen. Damit wird so getan, als gäbe es intergeschlechtliche, nichtbinäre und andere Menschen, die nicht in dieses System passen, nicht. Dieses Geschlechtersystem wird gewaltvoll durchgesetzt, z.B. werden intergeschlechtliche Menschen medizinisch unnötigen Eingriffen ausgesetzt, damit sie einem binären Geschlechterbild entsprechen oder Menschen erleben Gewalt, wenn sie vermeintlich geschlechter-untypische Verhaltensweisen an den Tag legen (z.B. wenn Jungen gern Kleider tragen oder Frauen Kraftsport machen etc.). (QL)

Bodyshaming/Fatshaming bezeichnet die Diskriminierung von Personen aufgrund ihrer körperlicher Erscheinung. Menschen, die den gesellschaftlichen Normen von Attraktivität nicht entsprechen, werden abgewertet oder Vorurteilen ausgesetzt. Häufig äußert sich Bodyshaming zum Beispiel darin, Adjektive, die eigentlich einen Körper beschreiben, zu charakterlichen Attributen zu machen. So wird bspw. das Wort „dick“ oft mit Charaktereigenschaften wie faul, ungepflegt oder undiszipliniert assoziiert. Bodyshaming kann jede Form von Körpern treffen, neben dicken Körpern (Fatshaming), sind dünne Körper (Skinnyshaming), alte oder be_hinderte Körper besonders oft betroffen

Brustkrebs (Mammakarzinom) ist in den westlichen Ländern eine der häufigsten Krebsformen. Das Risiko steigt ab dem 40. Lebensjahr an, das mittlere Erkrankungsalter liegt um das 64 Lebensjahr. Etwa ein Drittel der Betroffenen ist bei der Erstdiagnose jünger als 55 Jahre. Personen mit Brüsten sollten die jährliche Krebsfrüherkennung (Brustuntersuchung durch Gynäkolog*innen ab 30) sowie das alle 2 Jahre empfohlene Mammografiescreening (ab 50) wahrnehmen. Für familiär vorbelastete Personen gibt es ein spezielles, intensiviertes Früherkennungsprogramm. (FiN)

Chronische Erkrankungen sind Erkrankungen, die länger andauern und schwer heilbar sind. Sie sind sehr vielfältig, müssen aber in der gynäkologischen Behandlung sensibel und kompetent mitgedacht werden, z.B. in Bezug auf Medikation (speziell hormonelle Verhütung) oder auf das Thema Risikoschwangerschaft.

Cis (lat. „diesseits“) beschreibt Personen, die sich mit dem binären Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, identifizieren. (femref)

Consent bedeutet so viel wie Konsens bzw. Einverständnis oder Zustimmung. Auf unserer Webseite sprechen wir vor allem von Zustimmung im Kontext gynäkologischer bzw. medizinischer Untersuchungen und Behandlungen. Hier geht es darum, dass die behandelnde Person mit ihren Patient*innen abstimmt, ob bestimmte Behandlungen, Fragen, Untersuchungen oder auch Berührungen für diese okay sind, bevor sie diese durchführt. Dazu gehört auch, dass die*der Patient*in vorher ausreichend informiert ist und weiß, wozu sie*er Einwilligung gibt und sich frei entscheiden kann, also vorurteilsfrei aufgeklärt wurde, nicht unter Druck steht und selbstverständlich auch bei vollem und klarem Bewusstsein ist. Bei Notfällen kann in der Medizin nicht immer in diesem Sinne konsensual gehandelt werden, wenn dies aber möglich ist, dann kann jede*r Patient*in einfordern, dass auf die eigenen Grenzen geachtet wird und diese respektiert werden.

Dick ist eine politische Selbstbezeichnung, die im Gegensatz zu dem Begriff „übergewichtig“ kein Defizit impliziert, und im Gegensatz zu Begriffen wie „mollig“ nicht vermittelt, dass Dicksein etwas Negatives sei, das nicht benannt werden dürfe. Die Wiederaneignung des Begriffes „dick“ von dicken Menschen soll zeigen, dass „dick“ keine Beleidigung ist, genau so wenig wie z.B. „schwul“. Dicke Menschen können wegen ihres Äußeren in allen gesellschaftlichen Bereichen Diskriminierungen erleben. Vor allem im medizinischen Bereich erleben dicke Menschen oft, dass gesundheitliche Beschwerden automatisch auf ihr Körpergewicht geschoben werden, statt sachlich nach den Ursachen für verschiedene Symptome zu suchen.

Divers ist seit dem 01.01.2019 ein juristischer Geschlechtseintrag, der vor allem von intergeschlechtlichen und nichtbinären Personen benutzt wird. Es handelt sich dabei nicht um ein eigenes Geschlecht, sondern um einen Schirmbegriff für viele verschiedene Geschlechter. (QL)

Drogenkonsument*innen begegnen in medizinischen Kontexten häufig Diskriminierungen oder Vorurteilen. Die Aufgabe einer medizinisch behandelnden Person ist es aber nicht, die Lebensweise einer Patient*in moralisch zu beurteilen, sondern diese kompetent, vertrauensvoll und sachlich zu beraten, sie über Gesundheitsrisiken zu informieren und sie ungeachtet ihrer Lebensweise als Patient*in in ihren Entscheidungen ernst zu nehmen. Abwertende Äußerungen oder Verhaltensweisen seitens der Behandelnden Person führen zu Vertrauensverlust – dieses Vetrauen ist aber für die gynäkologische Behandlung grundlegend.

Dyadisch, kurz: dya, bezeichnet Personen, die nicht inter sind. Heißt: Personen, die einen Körper besitzen, der normativen, binären Vorstellungen von Geschlecht entspricht. (femref)

Endometriose ist der Name einer gutartigen, meist schmerzhafte Wucherungen von Gewebe der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), das sich außerhalb der Gebärmutter in benachbarten Organen ansiedelt. Diese versprengten Endometrioseherde wachsen während des Monatszyklus analog zur Gebärmutterschleimhaut. Damit verbunden sind krampfartige Schmerzen sowie oft chronische Bauch- und Rückenschmerzen, die während des Menstruationszyklus auftreten. (FiN) Die Beschwerden werden leider oftmals nicht ernst genommen oder als gewöhnliche Menstruations-Beschwerden abgetan, was oft auch mit sexistischen Vorstellungen von Schmerzempfinden zusammenhängt. Es findet eine gesellschaftliche Tabuisierung der Erkrankung statt, die auch mit der Tabuisierung von Menstruation allgemein zu tun hat. (Lesetipp: Endometriose: Betroffene erzählen, wie sie mit der chronischen Erkrankung umgehen)

Erfahrung ist eine spezielle Form des Wissens, die nicht in Büchern oder im Studium erworben werden kann. Bestimmte Erfahrungen werden von Personengruppen geteilt und sind für diese Gruppen Vertrauensgrundlage. Aufbauend auf dieser Annahme arbeiten in unserem Kollektiv nur Personen, die selbst Erfahrungen als Patient*in gynäkologischer Behandlungen haben. Auch ist die persönliche Erfahrung das Schlüsselelement unserer Datenbank – Empfehlungen können einzig auf dem Weg der positiven Erfahrung einer*s Patient*in den Weg in das Gynformation-Verzeichnis finden. Wenn eine behandelnde Person für eine bestimmte Gruppe, z.B. trans Personen, empfohlen wird, gehen wir davon aus, dass diese Aussage in erster Linie von einer trans Person selbst getroffen werden kann. Deshalb fragen wir diese beiden Aspekte aneinander geknüpft am Ende des Fragebogens ab.

FGM/FGC ist die Abkürzung für „Female Genital Mutilation“ (weibliche Genitalverstümmelung) bzw. „Female Genital Cutting“ (weibliche Genitalbeschneidung) und bezeichnet die ganze oder teilweise Entfernung bzw. Beschädigung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane. In der gynäkologischen Behandlung können die betroffenen Personen leicht diskriminierenden, rassistischen oder übergriffigen Bemerkungen ausgesetzt werden.

FLINT+ steht kurz für Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinär, Trans. Die Reihenfolge der Buchstaben ist frei wählbar. Das + markiert, dass der Begriff nicht abgeschlossen ist und erweitert werden kann. (femref)

Gebärmutterhalskrebs entsteht am Gebärmutterhals (Zervix), der Verbindung zwischen dem unteren Bereich der Gebärmutter zur Scheide. Dort kann eine Krebserkrankung (Karzinom), das sogenannte Zervixkarzinom, auftreten. Voraussetzung für die Entstehung eines Zervixkarzinoms ist in der Regel eine Ansteckung und langjährige Infektion mit bestimmten krebsauslösenden Humanen Papillomviren. Sie werden meist beim Geschlechtsverkehr durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen. Erste Hinweise auf Zellveränderungen am Gebärmutterhals können im Rahmen der wichtigen jährlichen gesetzlichen Früherkennungsuntersuchung gewonnen werden. (FiN)

Gender beschreibt auf einer wissenschaftlichen Ebene das sozial konstruierte Geschlecht und auf einer aktivistischen und persönlichen Ebene die Geschlechtsidentität einer Person. Geschlechtsidentität bedeutet hier die persönliche Vorstellung vom eigenen Geschlecht und der eigenen Geschlechterrolle, die nicht mit der gesellschaftlich zugeschriebenen Geschlechterrolle aufgrund von biologischen Merkmalen übereinstimmen muss. Innerhalb der Gesellschaft ist Gender das Konzept, nach dem wir verschiedene Ideen wie sozialen Status, Geschlechtspräsentation, Rolle in der Gesellschaft, Lebensplanung und Sexualität in die Kategorien von Geschlecht, wie bspw. Männlichkeit und Weiblichkeit, einordnen. (QL)

Gender-Sternchen (*): Ein grammatikalisches Zeichen, das als Form der geschlechtergerechten Sprache benutzt wird, beispielsweise ‘Lehrer*innen’ im Gegensatz zu ‚Lehrer‘, um auch weibliche und nichtbinäre Menschen einzuschließen. (QL)

Heteronormativität ist ein Begriff, der beschreibt, dass die binäre und vermeintlich eindeutige Zweigeschlechtlichkeit und die Heterosexualität in unserer Gesellschaft die Norm darstellen. Durch diese Machtstruktur werden alle diejenigen abgewertet, die sich jenseits der Zweigeschlechtlichkeit verorten, oder deren Körper nicht der binären, sexistischen Norm entsprechen – und alle diejenigen, die mit der Vorstellung brechen, dass sich Mann und Frau gegenseitig heterosexuell begehren, indem sie beispielsweise lesbisch, schwul oder bisexuell l(i)eben. (femref)

Heterosexuell sind Menschen, die sich sexuell zu Menschen des/eines anderen Geschlechts hingezogen fühlen. Meist wird dabei zudem von einem binären Geschlechterbild ausgegangen. Diese sexuelle Orientierung gilt als Norm in unserer Gesellschaft. (QL)

HIV-Tests dienen zur Feststellung der Infizierung mit dem Human Immunodeficiency Virus, was aus dem Englischen übersetzt „menschliches Immundefekt-Virus" bedeutet. Die Krankheit, die durch dieses Virus ausgelöst wird, wird Acquired Immunodeficiency Syndrome, kurz AIDS, genannt. HIV-positive Menschen erleben in Gesellschaft und Medizin Diskriminierungen. Doch auch HIV-negative Personen, die zu sogenannten „Risikogruppen“ gehören, können von damit assoziierten Diskriminierungen betroffen sein. HIV-Test sollten ohne Rechtfertigungszwang allen zur Verfügung gestellt werden, die danach fragen.

Homosexuell sind Menschen, die sich zu dem eigenen oder einem ähnlichen Geschlecht hingezogen fühlen. Homosexuelle Männer werden als schwul bezeichnet, homosexuelle Frauen als lesbisch. Die Bezeichnung ‚homosexuell‘ lehnen viele Lesben und Schwule ab, da der Begriff in seiner Entstehungszeit vor allem medizinisch gebraucht wurde. (QL)

Inter (lat. „zwischen“), Intersex oder auch intergeschlechtlich sind Personen, deren Körper von der normativen Vorstellung zweigeschlechtlicher Körper abweichen. Diese Begriffe sind Selbstdefinitionen, während der Begriff der “Intersexualität” aus einer medizinisch pathologosierenden Perspektive geprägt wurde. Auf Basis medizinischer Einschätzung und rechtlicher Ordnung werden oft kurz nach ihrer Geburt die Körper von inter Personen mittels Operationen, Hormongabe und Sozialisation gewaltvoll dem Bild binärer Zweigeschlechtlichkeit angepasst. (femref)

Kinderwunschbehandlung ist die reproduktionsmedizinische Unterstützung bei unerfülltem Kinderwunsch. Behandlungsmethoden sind die Intrauterine oder heterologe Insemination, eine Hormontherapie, die In- Vitro-Fertilisation (IVF) oder die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Eine Kinderwunschbehandlung bedeutet eine immense finanzielle Belastung. Für verheiratete heterosexuelle Paare übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen meist 50% der Kosten für eine Kinderwunschbehandlung. Nicht verheiratete Paare werden nicht finanziell unterstützt. Bei unverheirateten heterosexuellen Paaren kann die Behandlung laut BMSFJ nur gefördert werden, wenn die Bindung „eine auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaft“ darstellt. Es gibt kein verbindliches Gesetz dazu, ob homosexuellen Frauen Zugang zu Kinderwunschbehandlungen haben können, ob verheiratet oder nicht. Die Richtlinien der Landesärztekammern der Bundesländer sind uneinheitlich. Homosexuelle Paare werden oft nicht erwähnt oder ihnen werden reproduktionsmedizinische Therapien explizit verwehrt. (http://www.queer-baby.info/, https://queerkids.de/insemination/, https://www.informationsportal-kinderwunsch.de/)

Klassismus ist die Bezeichnung für individuelle, strukturelle oder kulturelle Diskriminierung, Ausbeutung und Marginalisierung von Personen in Bezug auf ihren tatsächlichen oder den ihnen zugeschriebenen sozialen und/oder bildungspolitischen Status. (femref)

Kolposkopie (griech. „Kolpo"=Scheide und „skopie"=betrachten) wird eine diagnostische Methode zur Erkennung von Erkrankungen des  Gebärmutterhalses und zur Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses. Sie sollte im Verdachtsfall ergänzend zum Zellabstrich durchgeführt werden. Im Januar 2020 rief die Einführung des neuen Programms zur Krebsfrüherkennung durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn heftige Kritik bei Gynäkolog*innen und Patient*innen hervor: Frauenärzte schlagen Alarm – neues Programm zur Krebsfrüherkennung wird ein Desaster

Lesbisch ist eine Bezeichnung für Frauen oder manche nichtbinäre Personen, die sich romantisch und/oder sexuell zu anderen Frauen bzw. weiblichen Personen hingezogen fühlen. (QL)

Menopause bezeichnet die letzte Periodenblutung im Leben einer menstruierenden Person.

Monogamie bedeutet ‚Einehe‘ und beschreibt, dass eine Person nur mit einer Person auf einmal verheiratet ist oder eine romantische und sexuelle Beziehung führt. Monogame Beziehungen sind in Deutschland eine gesellschaftliche Norm, deshalb werden nicht-monogame Modelle z.T. nicht ernst genommen, nicht mitgedacht oder unsichtbar gemacht. (QL)

Nichtbinär oder nonbinary bezeichnet Personen, die sich außerhalb der hegemonialen Zweigeschlechtlichkeit verorten. Die Lebensrealität von nicht binären Personen ist divers, sie können gleichzeitig auch cis/trans und dyadisch/inter sein. (femref)

Pathologisierung ist die Deutung von Verhaltensweisen, Wahrnehmungen, sozialen Verhältnissen, Lebensweisen, körperlichen Merkmalen und Abweichungen vom medizinisch definierten „Normalzustand“ als krankhaft.

Patriarchat beschreibt ein gesellschaftliches System von sozialen Beziehungen der männlichen Herrschaft. Wird von einer patriarchalen Gesellschaft gesprochen, meint dies eine Gesellschaft, in der die Herrschaft der dyacis-Männer über FrauenLesbenInterTransNichtbinär (FLINT+) institutionalisiert und manifestiert ist. In patriarchalen Strukturen ist das Weibliche dem Männlichen strukturell untergeordnet. Das Patriarchat ist eine gewaltvolle Gesellschaftsstruktur, die es zu bekämpfen gilt. (femref)

PMS steht für „prämenstruelles Syndrom: Die Tage vor der Menstruation können eine ganze Vielzahl von körperlichen und psychischen Beschwerden verursachen, wie etwa Schmerzen, Abgeschlagenheit, Ödeme, Reizbarkeit, Depressionen, Überempfindlichkeit, um nur einige Beispiele zu nennen. PMS gehört zu den häufigsten gynäkologischen Beschwerdebildern. Regelmäßig vor Beginn der Menstruationsblutung belastet gut zwei Drittel aller menstruierenden Menschen ein ganzer Komplex von Beschwerden. Eine Palette von mehr als 150 Symptomen, die unterschiedlich oft und intensiv, jedoch stets in der zweiten Zyklushälfte auftreten. Sie beginnen zehn bis 14 Tage vor der Menstruation, verschlimmern sich meist zunehmend, um dann am ersten oder zweiten Tag der Blutung wieder zu verschwinden. PMS tritt bevorzugt bei Personen über 30 auf. In einigen Fällen können die Symptome so stark sein, dass sie zeitweilig zu Arbeitsunfähigkeit führen und die sozialen, familiären und geschäftlichen Beziehungen extrem belasten. Betroffene sind mitunter einem erheblichen Leidensdruck ausgesetzt, der nicht einfach hingenommen werden sollte. (FiN)

Polyamouröse Menschen verlieben sich in mehr als nur eine Person auf einmal und können romantische und/oder sexuelle Beziehungen mit mehr als einer Person haben. Wichtig ist, dass alle Beziehungs- und/oder Sexualpartner*innen von diesem Arrangement wissen und damit einverstanden sind. (QL)

Pronomen sind Bezeichnungen von Personen in dritter Person. Es gibt eine breite Auswahl an verschiedenen Pronomen, wie u.a. ‘sie’, ‘es’, ‘m’, ‘si:er’, aber auch die Möglichkeit, dass Personen kein Pronomen für sich wünschen oder den eigenen Namen als Pronomen verwenden. Pronomen können nicht von Körpern abgelesen werden, sondern nur durch Fragen herausgefunden werden. Anderen Personen ein Pronomen einfach zuzuweisen ist oft gewaltvoll. Es kann auch der Name der Person statt Pronomen verwendet werden, bis sich die Gelegenheit zum Erfragen des Pronomens ergibt. (femref)

Queer war im Englischen lange Zeit ein Schimpfwort, insbesondere gegenüber schwulen Männern. Heute wird der Begriff aber meist positiv als Selbstbezeichnung gebraucht, vor allem von Menschen, die ihre Identität als ‚außerhalb der gesellschaftlichen Norm‘ ansehen. Außerdem kann queer als Überbegriff für Menschen benutzt werden, die nicht in die romantischen, sexuellen und/oder geschlechtlichen Normen der Gesellschaft passen. Queer ist aber auch eine Theorierichtung und ein Wissenschaftszweig, in dem Schubladendenken aufgebrochen wird, verschiedene Unterdrückungsformen miteinander verknüpft gedacht werden sollen und insbesondere Sexualität als ein Ort der Unterdrückung untersucht wird. (QL)

Schwul ist eine Bezeichung für Männer oder sich mit Männlichkeit identifizierenden nichtbinären Personen, die sich romantisch und/oder sexuell zu Männern oder männlichen Personen hingezogen fühlen.

Sexismus als strukturelles Machtsystem ist gesellschaftliche Realität, institutionell verankert und individuell verinnerlicht. Sexismus baut auf der gegensätzlichen Unterscheidung und Biologisierung von genau zwei Geschlechtern und deren Hierarchisierung auf. Durch Sexismus werden dyacis-Männer gegenüber FrauenLesbenInterTransNonbinary privilegiert. Es gibt daher keinen Sexismus gegenüber dyacis-Männern. (femref)

Stillen hat viele Vorteile, jedoch kann es auch leicht belastende Aufgabenteilung und ungleiche Zuständigkeiten zwischen der stillenden Person und einer*m Partner*in fördern. Auch gibt es viele Gründe, weshalb das Stillen für manche Personen nicht möglich oder nicht erträglich sein kann. Menschen sollten stillen, solange sich alle Beteiligten wohl in ihrer Rolle fühlen. Es ist ratsam, sich bereits während der Schwangerschaft zu informieren. Eine schnelle Rückkehr in den Beruf bei hohem zeitlichem Engagement kann beispielsweise bei manchen Personen gegen das Stillen sprechen, muss es aber nicht. Möchte eine Person absolut nicht stillen, sollte sie rechtzeitig mit ihrer*m Ärzt*in besprechen, wie die Milchbildung unterdrückt werden kann. (FiN) Es ist auch wünschenswert, dass Hebammen/Gynäkolog*innen schwangere Personen (und Partner*innen) zu Möglichkeiten des geschlechtersensiblen Umgangs mit dem Stillen beraten – deshalb haben wir diese Kategorie in unsere Behandlungsmethoden aufgenommen.

Tastuntersuchungen erfolgen in der Regel auf einem gynäkologischen Untersuchungsstuhl. Je nach Lage kann die*der Ärzt*in manchmal erkrankte  Organe und Tumore durch einfaches Abtasten entdecken. Personen, die eine solche Untersuchung zum ersten Mal wahrnehmen, Schwangeren im fortgeschrittenen Schwangerschaftsverlauf, oder anderen Personen, die eine andere Position bevorzugen oder benötigen, kann auch eine Untersuchungsliege angeboten werden, wenn ihnen die Situation aufgrund von Schamgefühlen oder Bewegungseinschränkung damit leichter fällt. (FiN)

trans (lat. „jenseits“, „hinüber“) ein Überbegriff für transsexuelle, transidente und transgender Menschen und alle Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurden. Trans ist ein Sammelbegriff für verschiedenste selbstbestimmte Identitäten. Es gibt sowohl nicht-binäre, wie auch binäre trans Personen, solche, welche ihre Körper modifizieren wollen oder haben oder ebenso solche, die kein Bedürfnis danach haben. (femref, QL)

Transition bezeichnet den Prozess, in dem eine trans Person soziale, körperliche und/oder juristische Änderungen vornimmt, um die eigene Geschlechtsidentität auszudrücken. Dazu können Hormontherapien und Operationen gehören, aber auch Namens- und Personenstandsänderungen, ein anderer Kleidungsstil und vieles andere. (QL)

Unerfüllter Kinderwunsch beschreibt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) den über mindestens zwei Jahre erfolgten Versuch, durch ungeschützten Geschlechtsverkehr ein Kind zu zeugen. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann vielfältige körperliche und auch seelische Ursachen haben. Auch viele queere Paare haben einen unerfüllten Kinderwunsch, der von der Definition der WHO abweichen kann und oft dadurch bedingt ist, dass ihnen der Zugang zu Kinderwunschbehandlungen rechtlich verwehrt wird.

Vaginale Corona (oder vaginales Kränzchen) bezeichnet den elastischen Schleimhautkranz am Eingang der Vagina. Bei 80% der Menschen, die mit Vagina geboren wurden, hat die Vaginale Corona eine Ringform. Nur in seltenen Fällen ist die Corona zusammengewachsen bzw. verschlossen. In diesen Fällen ist ein operativer Eingriff notwendig, damit Menstruationsblut und Sekrete abfließen können. Die vaginale Corona wird oft fälschlicherweise als „Jungfernhäutchen“ bezeichnet und als Indikator für sexuelle Aktivität angesehen. Dies ist jedoch nichtzutreffend. Der Zustand der vaginalen Corona sagt nichts darüber aus, ob eine Person bereits Geschlechtsverkehr mit Einführen eines Penis gehabt hat oder nicht.

Vaginismus bezeichnet das unwillkürliche Verkrampfen der Vaginal- und Beckenbodenmuskulatur, das ein Einführen/Aufnehmen von Menstruationsprodukten, Untersuchungsinstrumenten, Fingern, Penis, Toys, oder anderen Dingen in die Vagina schwierig bis unmöglich macht. Der Versuch des Einführens ist meist mit starken Schmerzen verbunden. Vaginismus kann primär oder sekundär auftreten. Der primäre Vaginismus besteht, wenn die betroffene Person noch nie etwas in ihre Vagina aufnehmen oder eine gynäkologische Untersuchung durchführen lassen konnte. Der sekundäre Vaginismus tritt erst im Laufe des Lebens auf und kann unter anderem durch traumatische Erfahrungen ausgelöst werden.

Vulva bezeichnet den Teil der weiblichen Geschlechtsorgane, der von außen sichtbar ist. Zur Vulva gehören die Vulvalippen, die Klitoris und der Scheideneingang.

Vulvodynie ist die Bezeichnung für chronische Schmerzen und Missempfindungen am äußeren Bereich der Vulva, für die keine klaren Ursachen auszumachen sind. Die Symptome können sich durch Juckreiz, Brennen, Druckschmerzen, Wund-Sein oder Stechen ausdrücken. Die Schmerzen treten meist dauerhaft auf und führen zu Einschränkungen im Alltag, beim Sport und Sex. Die Ursache der Vulvodynie ist bislang unklar. Vermutet wird eine Interaktion von ursprünglichen körperlichen Beschwerden und folgenden psychischen Faktoren, die zu einem gestörten Schmerzgedächtnis führen. Es gibt viele verschiedene Behandlungsansätze, die Betroffene ausprobieren können.